Mammographie-Screening ab 45 Jahren
Von der fachlichen Empfehlung zur gesundheitspolitischen Initiative
Früher erkennen, besser behandeln
Brustkrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen der Frau mit einer seit Jahren zunehmenden Zahl von Erkrankungen bei jüngeren Frauen. Vor diesem Hintergrund haben die Schweizerische Gesellschaft für Radiologie (SGR-SSR), die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (SGGG) und die Schweizerische Gesellschaft für Senologie (SGS) im Mai 2026 gemeinsam empfohlen, das Eintrittsalter für die kantonalen Mammographie-Screening-Programme von 50 auf 45 Jahre zu senken. Aktuelle wissenschaftliche Daten sprechen dafür, dass ein früherer Beginn des regelmässigen Mammographie-Screenings die Brustkrebssterblichkeit senken kann. In der von den Fachgesellschaften herangezogenen Studie wurde für regelmässige Mammographien ab 40 Jahren eine Reduktion der Sterblichkeit von rund 25 Prozent beschrieben.
Die Schweiz sollte sich weiterentwickeln
Auch im internationalen Vergleich erscheint eine Überprüfung der Schweizer Altersgrenze sinnvoll. Deutschland und Österreich empfehlen mittlerweile einen Beginn des Screenings ab 45 Jahren. In Schweden sind Screening-Untersuchungen bei Frauen unter 50 Jahren seit rund zwei Jahrzehnten etabliert. Die Schweiz steht damit vor der Frage, ob die bisherige Altersgrenze den aktuellen Entwicklungen bei Erkrankungshäufigkeit, wissenschaftlicher Evidenz und internationalen Empfehlungen noch gerecht wird.
Eine gemeinsame Aufgabe
Die Senkung des Screening-Alters wäre kein isolierter Schritt. Sie muss eingebettet sein in ein gesamthaftes Konzept der Brustkrebsfrüherkennung: qualitätsgesicherte Screening-Programme, standardisierte Befundung, rasche Abklärung auffälliger Befunde und eine enge Zusammenarbeit zwischen Radiologie, Gynäkologie, Senologie, Pathologie, Onkologie und Hausärztinnen und Hausärzten.
Früher erkennen bedeutet die Chance auf eine frühere, weniger belastende und erfolgreichere Behandlung. Die Radiologie kann und muss dazu einen entscheidenden Beitrag leisten.
Wir wünschen Ihnen und Ihren Familien einen wunderschönen Herbst.
Prof. Dr. med. Verena Obmann
Leiterin Ressort Brustbildgebung
Deutschschweiz
Prof. Dr. med. Andreas Gutzeit
Leiter Ressort Qualität
Die Langversion des Artikels wird in der kommenden Ausgabe des Bulletins publiziert werden, welches zweimal jährlich an alle Mitglieder verschickt wird und über aktuelle Entwicklungen informiert. Jetzt Mitglied werden! https://portal.myesr.org/sgr/membership/login