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Wie kann smarter medicine in der Radiologie umgesetzt werden?

Ärztinnen und Ärzte in den USA haben 2011 eine Initiative unter dem Stichwort «choosing wisely» gestartet. Diese hatte das Ziel, eine offene Diskussion zwischen Ärzten, Patienten und der Öffentlichkeit zum Thema Überversorgung in der Medizin zu befördern. Die Kampagne läuft seit einigen Jahren auch in der Schweiz und hat zum Ziel, eine für den individuellen Patienten optimale Diagnostik und Therapie zu definieren.

Kern der Kampagne sind «Top-5-Listen» aus verschiedenen medizinischen Fachdisziplinen. Diese Listen enthalten medizinische Massnahmen, bei denen eine gelegentliche Überversorgung feststellbar ist. Diese Listen werden einem breiten Publikum bekannt gemacht, was eine Debatte über die medizinische Über- und Unterversorgung, über Behandlungsqualität, über das Wohl der Patienten und über potentielle Fehlanreize im System anregt.

Wie andere medizinische Fachgesellschaften, welche auf der smarter medicine-Website aufgelistet sind, unterstützt auch die Schweizerische Gesellschaft für Radiologie (SGR-SSR) die «Choosing wisely» – oder wie sie in der Schweiz genannt wird – die «smarter medicine»-Initiative.

Die hier vorgelegte Top-5-Liste ist evidenz-basiert und beruht auf einem breiten Konsens. Die SGR-SSR lehnte sich bei deren Erstellung an die vom American College of Radiology (ACR) publizierten Empfehlungen an und aktualisierte die zugrundliegende Literatur.

Wir sind der Ansicht, dass die Veröffentlichung dieser Liste nicht nur deshalb nützlich ist, weil sie vor einer eventuellen Überversorgung der medizinischen Bildgebung schützt, sondern auch, weil es der medizinische Beruf ist, der initiativ und pro-aktiv bei der Verbesserung der Behandlungsqualität ist und damit ein klares Signal an die Öffentlichkeit, die Regulierungsbehörden und die Kostenträger sendet.

Da jede Patientin und jeder Patient in ihrer/seiner Situation und Erkrankung einzigartig ist, muss aber auch klar gemacht werden, dass die jeweils beste Diagnostik in der individuellen Situation zur Anwendung kommt. Derartige Listen haben im besten Fall empfehlenden Charakter und dürfen niemals wirksame und zweckmässige Diagnostik für unsere Patientinnen und Patienten vorenthalten.

Wir laden unsere Kollegen und Patienten ein unsere Vorschläge zu evaluieren und im täglichen klinischen Alltag anzuwenden.

Prof. Dr. Hatem Alkadhi
SGR-SSR Präsident 2018-2021

Die Kampagne «smarter medicine»

Der Trägerverein «smarter medicine – Choosing Wisely Switzerland», der nebst medizinischen Fach- und Berufsorganisationen auch von Patienten- und Konsumentenorganisationen unterstützt wird, möchte die Öffentlichkeit für die Themen der Fehl- und Überversorgung sensibilisieren. Die Kampagne knüpft an die amerikanische Initiative «Choosing Wisely» an, die zum Ziel hat, nicht nur «kluge Entscheidungen» herbeizuführen, sondern auch die offene Diskussion zwischen Ärzteschaft, Patientinnen und Patienten sowie der Öffentlichkeit zu fördern.

Kernstück der Initiative sind die sogenannten «Top-5-Listen» der medizinischen Fachgesellschaften, die je fünf unnütze Behandlungen in ihrem Fachbereich aufführen. Zudem sind die bisher veröffentlichten Empfehlungen in einer für die Öffentlichkeit verständlichen Sprache verfügbar, um gemeinsame Entscheidungen zu treffen.

Weitere Informationen zum Trägerverein und eine Übersicht über die bestehenden Top-5-Listen sind zu finden unter www.smartermedicine.ch.

Korrespondenz:
Trägerverein smarter medicine
c/o SGAIM
Monbijoustrasse 43
3001 Bern
smartermedicine@sgaim.ch

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